Gleichbehandlung ist für die EuGH-Richter oberstes Gebot

Dem Chefarzt einer katholischen Klinik wurde gekündigt, weil er ein zweites Mal geheiratet hat. Der Europäische Gerichtshof sieht darin eine "verbotene Diskriminierung". (Urteil vom 11.09.2018 - C-68/17) Die Richter wiesen in ihrer Entscheidung darauf hin, dass sie keinen Zusammenhang zwischen der Zustimmung zum Eheverständnis der katholischen Kirche und den Tätigkeiten des Chefarztes sähen. Ein katholischer Chefarzt leitet eine Klinik und operiert genauso gut oder schlecht wie sein evangelischer oder konfessionsloser Kollege. Hier ist für die Richter in Luxemburg die Gleichbehandlung als Grundrecht verletzt. 
…mehr dazu findet ihr hier

Notfalls muss die deutsche Rechtsauffassung hinter Europarecht zurücktreten.

Die Deutsche Bischofskonferenz sieht das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Kündigung eines katholischen Chefarztes kritisch. Es sei Sache der Kirche, nicht der staatlichen Gerichte, im Rahmen ihres Selbstbestimmungsrechts festzulegen, welche Loyalitätserwartungen sie an ihre Mitarbeiter stelle, erklärte der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Hans Langendörfer.

Der Bonner Arbeitsrechtsprofessor Gregor Thüsing wies auf die Herausforderungen des EuGH-Urteils hin. Das europäische Recht nach dem Urteil mit dem deutschen Verfassungsrecht zu versöhnen, sei "eine herausfordernde Aufgabe". Dieser Aufgabe müsse sich nun zunächst das BAG annehmen, an das der EuGH den Fall in seinem Urteil zurückverwiesen hat. Klar sei aber, dass die Entscheidung des EuGH den bisherigen Spielraum deutscher Gerichte ein Stück weit einschränke. …mehr zur Bedeutung des Urteils findet ihr hier

fischerBeitrag von Gisbert Fischer (GesA-OnlineRedaktion)

Gegenwärtig steht das kirchliche Arbeitsrecht mal wieder „vor Gericht“. Nach dem der EuGH im April, bereits im Fall einer Bewerbung, den Kirchen Grenzen gesetzt hatte, ging es am 11.09.2018 um den Fall eines wegen Wiederverheiratung gekündigten Chefarztes. Auch diesmal mit dem Ergebnis, dass die deutsche (kirchlich geprägte) Rechtsauffassung, ggf. hinter Europarecht zurücktreten muss. Ein ZDF-Kommentar dazu endet mit dem Fazit: „Die Kirchen müssen akzeptieren, dass sie in einer zunehmend säkularisierten Welt von ihren absoluten Vorstellungen abrücken und sich im Sinne der Bürger öffnen müssen. Sie bewegen sich in einer rechtlichen Komfortzone, weil Deutschland die Trennung von Staat und Kirche eben nur halbherzig und nicht so konsequent wie andere Staaten gehandhabt hat und dies auch weiter tut. Dies fällt den Beteiligten jetzt wieder einmal auf die Füße. Das Urteil ist aber nur ein Schritt, stürzt nicht das Prinzip, dass die Kirchen nach wie vor eine Sonderstellung haben.“ 

Dem ist nichts hinzuzufügen,- kirchliche Sonderrechte lösen sich nun mal nicht von alleine in Luft auf. Ebenso wenig wie die kirchliche Arbeitsrechtsetzung auf dem „3.Weg“. Dagegen müssen wir selber etwas tun. Ohne anhaltenden und vernehmlichen Protest der Mitarbeitenden bei Kirche & Diakonie wird das ARK-Unwesen nicht enden. In der ARK-DD hat sich bereits schon unmittelbar vor und nach der Konstituierung der nächste Konflikt angekündigt. Der Gesamtausschuss der EKiR wird das aufmerksam verfolgen …

 

BAG 24.5.2018, 6 AZR 308/17

Ein kirchlicher Arbeitgeber kann wirksame Arbeitsverträge abschließen, welche keine oder nur eine eingeschränkte Bezugnahme auf kirchliche Arbeitsvertragsregelungen vorsehen. Denn die kirchengesetzlichen Regelungen binden den kirchlichen Arbeitgeber nur im kirchlichen Rechtskreis. Er muss bei einer Nichtbeachtung der Regelungen allerdings mit einer Zustimmungsverweigerung der MAV zur Eingruppierung rechnen und ggf. kirchenrechtliche Konsequenzen befürchten. Die Missachtung kirchengesetzlicher Vorgaben bzgl. der Ausgestaltung von Arbeitsverträgen berührt aber für sich genommen nicht die Wirksamkeit einer anderslautenden vertraglichen Vereinbarung. Die Pressemitteilung zum Urteil findet ihr hier zum Download 

Bundeskabinett verabschiedet die Einführung einer Brückenteilzeit ab 1.1.2019

Das Bundeskabinett hat am 16.06. 2018 dem Gesetzentwurf zur Weiterentwicklung des Teilzeitrechts und zur Einführung einer Brückenteilzeit zugestimmt. Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften begrüßen den Regierungsentwurf - er enthält spürbare Fortschritte, auch wenn er deutlich hinter den gewerkschaftlichen Vorstellungen zurückbleibt. Der Entwurf sieht vor, dass das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) um einen Rechtsanspruch auf zeitlich begrenzte Teilzeit ergänzt wird. Dieser Anspruch führt dazu, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach einer Teilzeitphase wieder zu ihrer vorherigen Arbeitszeit zurückkehren können. Allerdings ist für Arbeitgeber, die zwischen 46 und 200 Arbeitnehmer beschäftigen, eine Zumutbarkeitsgrenze vorgesehen: Sie müssen nur einem pro angefangenen 15 Arbeitnehmern den Anspruch auf Brückenteilzeit gewähren.             

….mehr dazu findet ihr hier

Die sehr umfangreiche und  informative Broschüre geht detailiert auf die „Mitbestimmung“ der Kirchen, Diakonie und Caritas ein und vergleicht die Regelungen von MVG.EKD und MAVO mit den entsprechenden Vorgaben im BetrVG. Zur „Einführung“ findet ihr eine gutverständliche Zusammenfassung des Kirchlichen Sonderrechts mit Erklärungen, warum und wie es zu dazu gekommen ist. 

Die Broschüre findet ihr hier zum Download

ls18PlakatMitbestimmung sollte vor allem bei Kirche & Diakonie kein Problem sein,- verpflichtet doch das MVG, Mitarbeitende und Dienstellenleitung zur vertrauensvollen Zusammenarbeit. Aber die Realität vor Ort ist leider nur zu oft eine ganz andere. MAVen klagen über mangelhafte bis fehlende Information, „vergessene“ oder bewusst unterlassene Beteiligung,- bis hin zur totalen Ignoranz der Mitbestimmungsrechte. Zudem nimmt die Unsitte zu, selbst den gegenwärtigen Freistellungsanspruch aus „wirtschaftlichen“ Gründen in Frage stellen. Möglich macht das ein Mitarbeitervertretungsgesetz, das weder die Rechtsstellung noch die Mitbestimmungsrechte der MAV ausreichend schützt und bei  Verstoß gegen diese Rechte, keine wirksame Sanktion gegen ignorante „Dienstherren“ bei Kirche & Diakonie vorsieht. Das muss sich ändern! …wer Loyalität zu evangelischen Werten einfordert, darf das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen nicht weiter dazu missbrauchten um die Mitbestimmungsrechte einzuschränken.

…mehr dazu

Flyer und Flugblätter zum Thema  findet ihr hier.

mitgemacht„Marsch der Solidariät“ für mehr Personal in der Altenpflege in Viersen

Gut 50 Beschäftigte aus einem Seniorenheim der Diakonie in Viersen, haben mit einem »Marsch der Solidarität« auf den Pflegenotstand in der Altenhilfe aufmerksam gemacht. »Das war ein guter Anfang«, sagt Björn Rudakowski, Mitglied im Gesamtausschuss der EKiR und Sprecher der Regio-MAV Krefeld-Viersen. Ziel sei auch gewesen, Beschäftigte und Interessenvertretungen verschiedener Einrichtungen miteinander zu vernetzen. Denn unabhängig von der Trägerschaft seien alle Pflegeheime personell dramatisch unterbesetzt. »Hier sollten Kirchen, Gewerkschaften und viele andere an einem Strang ziehen.« fordert Björn Rudakowski, der seit 26 Jahren als Krankenpfleger in einem Seniorenheim der Diakonie arbeitet.

streikendeDie Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB) an der Saar hat dazu aufgerufen sich an der ver.di-Demonstration für mehr Pflegepersonal sowie gerechte und  faire Arbeitsbedingungen zu beteiligen. Dem Aufruf sind die Beschäftigten im Marienhaus Klinikum Ottweiler gefolgt und haben am 11. Oktober für mehr Personal in der Pflege gestreikt. Das mutige Verhalten der Kolleginnen und Kollegen von der Marienhausklink verdient unseren Respekt und sollte auch in evangelischen Einrichtungen Mut zum aktiven Protest gegen Pflegenotstand und Überlastung machen.

…mehr dazu findet ihr unter  http://kirchenappell-pflege.de

Einschätzung von Rechtsanwalt Baumann-Czichon zum Warnstreik in einer kirchlichen Einrichtung

Anlässlich des Warnstreiks in der Katholischen Marienhausklink Ottweiler, wurde von Arbeitgeberseite und auch in Berichterstattungen auf das sogenannte Streikverbot in kirchlichen Einrichtungen hingewiesen. Bernhard Baumann-Czichon versichert, dass das grundgesetzlich garantierte Streikrecht auch in kirchlichen Einrichtungen Bestand hat und erklärt, wie das BAG-Urteil zum Streikrecht zu verstehen ist.

…zum Download

Urteil des BAG (23.03.2017, AZ: 6 AZR 161/16)

Bisher wurde Teilzeitbeschäftigten ein Überstundenzuschlag nur dann zugestanden, wenn über die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit eines Vollbeschäftigten hinaus gearbeitet wurde. Das Bundesarbeitsgericht hat nun entschieden, dass Teilzeitbeschäftigte bei sogen. ungeplanten Überstunden, die über die tägliche Arbeitszeit hinaus abweichend vom Schichtplan angeordnet werden, auch dann Anspruch auf Überstundenzuschlag haben, wenn die regelmäßige Arbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten nicht überschritten wird. In der Begründung führt das BAG aus, dass Teilzeitbeschäftigten generell bereits bei Überschreitung der vereinbarten wöchentlichen Arbeitszeit Überstundenzuschlag zusteht, wenn diese Arbeitsstunden nicht nach den tariflichen Regeln ausgeglichen werden.

Mehr dazu: Musteranträge Überstundenzuschläge  Überstundenzuschläge für Teilzeitbeschäftigte Überstunden Teilzeit

KGH.EKD, Beschluss v. 05.12.2016, II-0124/28-2016

Die Mitarbeitervertretung hat Anspruch auf Aushändigung einer Liste mit allen in der Dienststelle gezahlten Bruttovergütungen. Die Bruttolohnlisten, sind im Sinne von § 34 Abs. 3 Satz 1 MVG-EKD, zur Durchführung der Aufgaben der MAV erforderlich.  Arbeitsrechtliche Bestimmungen und Vereinbarungen im Sinne von § 35 Abs. 3 Buchstabe b) MVG-EKD sind auch die jeweils zur Anwendung kommenden Vergütungsordnungen oder Tarifverträge. Ob eine Entgeltordnung "eingehalten" wird, kann nur anhand eines Abgleichs der geschuldeten mit den tatsächlich erfolgten Zahlungen an die Mitarbeiter/-innen festgestellt werden, dies setzt die Aushändigung der Bruttolohnliste voraus. 

…weiterlesen  

sonderrechtever.di fordert gleiche Standards wie im öffentlichen Dienst und Schutz durch Tarifverträge

Krankenhäuser, Kindertagesstätten, Alten-, Behinderten- und Jugendhilfeeinrichtungen sind häufig kirchliche Betriebe. Obwohl diese Einrichtungen öffentlich – also aus Steuern und Mitteln der Sozialversicherungen – finanziert werden, gelten dort durch »Kirchenrecht« gesetzte Regeln, die das allgemein geltende bundesdeutsche Arbeitsrecht außer Kraft setzen. Ein Sonderstatus, der sich negativ auf die Beschäftigungsverhältnisse von Rund 1.3 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auswirkt. Denn Tarifverträge zählen hier nicht. ver.di will das ändern und fordert eine bessere betriebliche Mitbestimmung, gleiche Standards wie im öffentlichen Dienst und Schutz durch Tarifverträge.

…weiterlesen    

…die Broschüre KirchenInfo-Spezial „Abschalten: jetzt !“ findet ihr hier.

Gegenüberstellung und Bewertung zum Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG)

Das Grundgesetz räumt den Kirchen in Art. 140 das Recht ein, ihre inneren Angelegenheiten selbst zu regeln. Dazu gehört nicht nur das Recht, selbst zu bestimmen, welcher Pfarrer welche religiöse Lehre predigt, sondern auch  eigene, durch »Kirchenrecht« gesetzte Regeln, die das allgemein geltende bundesdeutsche Arbeitsrecht außer Kraft setzen. In der Broschüre „Kirchliche Mitbestimmung im Vergleich“ wird das das staatliche Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) dem evangelischen MVG.EKD und der katholischen MAVO gegenübergestellt und anhand praxisrelevanter Aspekte eine Bewertung vorgenommen.

…die Broschüre findet ihr hier

…mehr dazu findet ihr hier

die Umsetzung ist der unternehmerischen Entscheidung vorbehalten

In einer Auskunft an den Arbeitskreis Ev. Trägerverbünde Rheinland im DW- RWL zur Eingruppierung von ständig stellvertretenden Leitungen in Kitas, stellt die Rechtabteilung des DW-RWL fest, dass die Vorgaben des BAT-KF keine normative Wirkung, sondern „mehr deklaratorische Bedeutung“ haben. Ob und in welchem Umfang die Einrichtungen vor Ort solchen Rechtsauskünften folgen, bleibt abzuwarten. Denn unabhängig von einer Würdigung in der Sache, steht diese Auskunft in krassem Gegensatz zum Arbeitsrechtsregelungsgesetz (ARRG) der EKiR. Da heißt es, dass die von der ARK-RWL beschlossenen Arbeitsrechtsregelungen verbindlich sind und normativ wirken. Es stellt sich die Frage, ob der BAT-KF weiterhin uneingeschränkt zur Anwendung kommt oder künftig nur noch als Richtlinie zum „Wünsch Dir Was“ anzusehen ist. Den Mitarbeitervertretungen ist jedenfalls erhöhte Wachsamkeit empfohlen.
Das Schreiben findet Ihr hier zum Download.

fischervon Gisbert Fischer
Seit „ewigen Zeiten“ betont die Diakonie die Verbindlichkeit ihrer, auf der Grundlage der Kirchlichen Arbeitsrechtsetzung zustande gekommenen „Tarife“. Nicht zu letzt unter dieser Voraussetzung hat das BAG im Rechtsstreit um das Streikrecht, die Kirchlichen Sonderregelungen bestätigt. Jetzt verneint die Diakonie-RWL, die normative Wirkung der Beschlüsse "Ihrer" ARK und wertet sie nur noch als Empfehlung, die je nach anfallenden Kosten beliebig anzuwenden sind. Es überrascht, wie selbstverständlich die Diakonie ihre öffentlich dargestellte soziale Haltung und Rechtsauffassung, intern dem Gewinn und Erhalt von Wettbewerbsvorteilen anpasst und dabei selbst ihre eigenen Kirchengesetze außer Acht lässt.
Doch eigentlich sollte das Niemanden verwundern. Schließlich ermöglicht der Dritte Weg es den kirchlich/diakonischen Arbeitgebern, durch eigene Regeln vor Arbeitskampf geschützt, eigenes Arbeitsrecht nach Belieben durchzusetzen. Aber im Zusammenhang mit der Absicht der Diakonie-EKD die AVR-Entgelte abzubauen, mit der Bezeichnung von MAVen als „nützliche Idioten“ durch den Präsidenten der Diakonie, Ulrich Lilie, erhält der Umgang mit den Beschäftigten in der Diakonie eine neue negative Qualität.

...weiterlesen

klaus eberl"Es gibt Bereiche, wo wir noch Verbesserungsbedarf haben."

Fünf Jahre nach der Verabschiedung von Richtlinien für das kirchliche Arbeitsrecht durch die Synode der EKD haben am Rande der EKD-Synodentagung 2016, EKD-Repräsentanten, Mitarbeitervertreter und ver.di eine kritische Zwischenbilanz gezogen.

"Es gibt Bereiche, wo wir noch Verbesserungsbedarf haben." sagte der Vizepräses der EKD-Synode, Klaus Eberl im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Eberl forderte, Tariftreue müsse für die Kirche ein Standard sein. "Es gibt noch schwarze Schafe". Er zeigte Verständnis insbesondere für Klagen ostdeutscher Beschäftigter: "Es gibt Fälle, bei denen die Entgelte nicht ausreichen, um ein ordentliches Leben zu führen."

…mehr dazu könnt ihr der epd-Meldung entnehmen.

Die von der EKD-Synode 2011 geforderte solidarische Ausgestaltung des kirchlichen Arbeitsrechts ist bis heute nicht umgesetzt worden.

MAV-Vertreter aus der Diakonie und Mitglieder der ver.di Bundesfachkommission Kirche, diskutierten am Rande der EKD-Synodentagung 2016, mit-Repräsentanten der EKD und Diakonie. EKD-Vizepräses Klaus Eberl erklärte, das Gespräch mit den rund 100 Mitarbeitervertretern sei konstruktiv verlaufen.

Sylvia Bühler (ver.di) hatte erklärt, wesentliche Punkte zur solidarischen Ausgestaltung des kirchlichen Arbeitsrechts seien bis heute nicht umgesetzt worden, etwa ein von der EKD-Synode 2011 geforderter verbindlicher Leittarif und ein bundesweiter Rahmen mit gemeinsamen Regelungen. Die Vielzahl von arbeitsrechtlichen Kommissionen in Kirche und Diakonie belege die Zersplitterung des Tarifrechts.

…mehr dazu   ... und noch mehr dazu       

KGH-EKD, Beschluss vom 30.05.2016, I-0124/41-2016

Welche MAV kennt das nicht: sie stimmt einem Dienstplan nicht zu. Der Arbeitgeber beantragt beim Kirchengericht die Zustimmung zu diesem Dienstplan zu ersetzen. Doch bevor das Kirchengericht überhaupt zur Verhandlung geladen hat, ist die Dienstplanperiode abgelaufen. Diesem Defizit begegnet der Kirchengerichtshof mit seiner Entscheidung: „Kommt eine Einigung über einen Dienstplan nicht rechtzeitig zustande, muss die Dienststellenleitung beim Kirchengericht nicht nur den Antrag nach § 38 Abs. 4 MVG-EKD stellen, sondern zugleich im Wege der einstweiligen Verfügung beantragen, der Mitarbeitervertretung die Duldung der Durchführung eines Dienstplans aufzugeben.“
Das Urteil, erklärt mit einer Anmerkung von Bernhard Baumann-Czichon, findet ihr hier.

fischer

Wie soll das durchzusetzen sein? 

Ein Beitrag von Gisbert Fischer 

Zurzeit stehen in der ARK 18 Anträge zur Abstimmung, die je nach antragstellender Seite (Dienstnehmer /Dienstgeber) eine Erhöhung oder die Absenkung der Entgelte  zur Folge haben. Aber anders als bei Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst, ist bei Kirche & Diakonie zur Durchsetzung der Anträge ein Verfahren vorgegeben, dass mit einer „Zwangsschlichtung“ endet. (Der Dritte Weg)  

Nach zweimaliger ergebnisloser Abstimmung, entscheidet die Schlichtungskommission. Letztendlich mit der Stimme des Vorsitzenden. Da zudem ein Arbeitskampf (Streik) auf dem 3.Weg ausgeschlossen ist, hat die Dienstnehmerseite bei Verhandlungen keine wirksamen Mittel, ihre Forderungen durchzusetzen.

Vereinfacht,- David muss  ohne Schleuder gegen Goliath antreten.

Deshalb müssen wir immer wieder erleben, dass Entgeltrunden bei der Diakonie auf den Kopf gestellt werden. Statt mit den Dienstnehmern ernsthaft über Lohnzuwachs und Verbesserungen der Arbeitsbedingungen zu verhandeln, beantragen die Dienstgeber eine Reduzierung der Entgelte, sowie den Abbau der sozialen Rahmenbedingungen und setzen dabei auf eine „richtige“ Entscheidung des Vorsitzenden der Schlichtungskommission. Natürlich darf dabei der seit Jahren wiederholte Hinweis auf die „gefährdeten“ Arbeitsplätze in der Diakonie nicht fehlen.

Für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen in der Diakonie bleibt nur der Trost, dass sich der Arbeitsmarkt insbesondere für Pflegekräfte verändert. Mit einem AVR-Billigtarif nach Vorstellung der Diakonischen Dienstgeber, wird die Diakonie in Zukunft keine qualifizierten Arbeitskräfte gewinnen und halten können.

…eine Zusammenfassung der Forderungen/Anträge der Dienstnehmer und Dienstgeber findet ihr hier zum Download: Anträge ARK_AVR 2016-1.pdf
…eine ausführliche Bewertung der DG-Antröge durch die Buko findet ihr hier: 
Bewertung_Anträge_AG Buko.pdf
…mehr zum Thema: Entgeltverhandlung 2016

Go to top